Speichenbruch (distale Radiusfraktur)

Ein Viertel aller Knochenbrüche beim Menschen sind handgelenksnahe Speichenbrüche (distale Radiusfrakturen). Somit ist diese Unterarmverletzung die häufigste Fraktur überhaupt. Besonders gefährdet für Knochenbrüche wie einem Speichenbruch sind ältere Menschen sowie Personen mit fortgeschrittenem Knochenschwund (Osteoporose). Bei Menschen unter 60 Jahren entstehen solche Verletzungen häufig bei sportlichen Aktivitäten, aber auch durch Stürze, Verkehrs- und Arbeitsunfälle. Bei Menschen über 40 Jahren sind Frauen deutlich häufiger von einem Speichenbruch betroffen als Männer. Bei den unter 40-Jährigen ist die Geschlechterverteilung hingegen in etwa ausgeglichen.

Der typische Unfallmechanismus bei einem Speichenbruch (Radiusfraktur) ist ein Sturz auf die ausgestreckte oder gebeugte Hand. Manchmal reicht schon ein Bagatelltrauma, zum Beispiel ein Sturz aus dem Stand. Dies ist vor allem bei älteren Menschen der Fall, denn mit zunehmendem Alter verlieren die Knochen an Festigkeit. Zudem werden ältere Menschen oft unsicherer, gebrechlicher, sind weniger agil und können Stürze schlechter abfangen.

Bei jungen Menschen sind meist Stürze und Verkehrsunfälle die Ursache einer Radiusfraktur. Oft führen Stürze beim Skateboard-Fahren oder Inlineskaten zu Speichenbrüchen. Gefährdet sind auch Fahrradfahrer und Schlittschuhläufer, die auf einen harten Untergrund stürzen.

Obwohl Speichenbrüche am handgelenksnahen Ende des Unterarms sehr häufig sind, ist die Therapie keineswegs einfach. Eine Frage ist oft schwierig zu beantworten: Welches Verfahren führt bei welchem der unzähligen Typen von handgelenksnahen Radiusfrakturen zum besten Ergebnis?

 

Unverschobene Speichenbrüche werden zur Therapie in einem Gipsverband ruhig gestellt. Verschobene Brüche müssen zunächst wieder in die richtige Position gebracht werden. Dafür wird der Arm unter Betäubung an drei Fingern (Daumen, Zeige- und Mittelfinger) aufgehängt und ein Gewicht am Oberarm befestigt - die gesamte Apparatur wird Extensionshülse oder "Mädchenfänger" genannt. So können die Knochenenden gerade gerückt werden. Um das Ergebnis der Behandlung zu kontrollieren, wird die Hand geröntgt. Ist die korrekte Gelenkstellung wiederhergestellt, wird der Arm im Gips ruhig gestellt, damit die Knochen in korrekter Stellung zusammenwachsen können.

 

Komplizierte Speichenbrüche mit vielen Knochenbruchstücken und/oder größerer Fehlstellung erfordern eine Operation.

Folgende Verfahren kommen bei einem Speichenbruch häufig zum Einsatz:

Die Fixierung (Osteosynthese) der Knochenfragmente mittels Drähten, die durch die Haut eingebracht werden: Anschließend wird ein Gipsverband angelegt, um den Unterarm ruhig zu stellen. Nach etwa vier Wochen wird der Gips abgenommen. Die Drähte werden zur Stabilisierung des Knochens noch für weitere zwei Wochen belassen und dann unter lokaler Betäubung entfernt.

Die Fixierung mit einer speziellen Platte: Manchmal lässt sich der Speichenbruch nur durch eine metallene Abstützplatte exakt fixieren. Dabei wird versucht, die häufig eingestauchten Gelenkflächen wieder aufzurichten. Oft muss zusätzlich Knochengewebe (Spongiosa) eingebracht werden. Diese Spongiosa wird aus dem Beckenkamm über einen kleinen Hautschnitt entnommen. Für etwa ein bis zwei Wochen ist ein Gips notwendig, dann kann mit der Krankengymnastik begonnen werden.

Die Fixierung mit speziellen Schrauben: Ist der Griffelfortsatz der Speiche abgebrochen, werden die Knochenfragmente häufig miteinander verschraubt. Zusätzlich wird oft ein Draht zur Fixierung eingeführt und über längere Zeit belassen. Etwa eine Woche muss der Patient eine Gipsschiene tragen, danach beginnt die Krankengymnastik. Die Schrauben werden nach etwa vier Wochen unter lokaler Betäubung entfernt.

Die gelenküberbrückende Fixierung mittels einer äußeren Stabilisierung (Fixateur externe): Müssen mehrere Knochenfragmente stabilisiert werden (z.B. bei Trümmerbrüchen), hilft eine Art äußeres Gerüst. Dazu werden Metallstifte in den Mittelhandknochen des Zeigefingers und in den Radius oberhalb des Handgelenks gebohrt, die wiederum verbunden werden. Der Patient trägt das Gestell etwa vier Wochen lang, bevor es unter lokaler Betäubung entfernt wird.